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Die Servicestelle Evidenz des BMZ

Kooperation Global
vor 14 Stunden
3 Min. Lesezeit

Ein Ausgestaltungsvorschlag auf Grundlage internationaler Erfahrungen und Praxisbeispiele



Worum es geht


Der BMZ-Reformplan „Zukunft zusammen global gestalten“ (Januar 2026) formuliert Evidenz und Wirksamkeit als zentrale Steuerungsprinzipien der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Das ist dringlich: Die BMZ-Mittel sind in den vergangenen fünf Jahren um fast ein Drittel gesunken, während die globalen Herausforderungen dramatisch gewachsen sind — die effiziente und effektive Verwendung der verbleibenden Mittel wird damit umso entscheidender.

Folgerichtig kündigt der Reformplan auf Seite 24 die Einrichtung einer Servicestelle Evidenz an. Sie kann das zentrale institutionelle Instrument werden, um den erneuerten und gestärkten Anspruch des BMZ zu mehr Evidenz- und Wirkungsorientierung einzulösen. Die Funktionen einer Servicestelle Evidenz sollten Grundlage für entsprechende Allokationsentscheidungen, für Analysen des Programmportfolios in der deutschen EZ und für die Berichterstattung zu Wirksamkeit sein. Für das übergeordnete Ziel der Staatsmodernisierung in Deutschland könnte die Servicestelle ein Beitrag des BMZ mit Vorbildcharakter werden.

Doch wie müsste die Servicestelle Evidenz konkret aussehen?

Kooperation Global hat sich dafür insgesamt 11 internationale Beispiele an Evidenzeinheiten angeschaut, vom Vereinigten Königreich über Norwegen, die Schweiz, Uganda bis hin zu multilateralen Organisationen, und aus deren Erfahrungen und Praxis einen Ausgestaltungsvorschlag für Deutschland abgeleitet:


Dokumente zum herunterladen (PDF)


Darunter sind diese drei Kernempfehlungen:


Empfehlung 1


Verankerung an der Leitungsebene


Positionierung in der Abteilung für Wirksamkeit und Daten des BMZ, mit direkter Berichtslinie zur Leitung, damit Evidenz tatsächlich in zentrale Steuerungsentscheidungen einfließt. Rolle eines „Leitenden Wirkungs-analysten“ (LWA), der den Evidenz- und Wirksamkeitsanspruch des Ressorts nach innen und außen repräsentiert.


Empfehlung 2


Klare Mandate, messbare Ergebnisse Neun aufeinander abgestimmte Funktionen - darunter wirkungsorientierte Haushaltssteuerung, verbindliche Kosten-Effektivitäts-Checks, Identifikation bewährter und weniger wirksamer Ansätze und strategische Wirkungskommunikation.

Empfehlung 3 Angemessene Ressourcen Kurzfristing mindestens sieben Vollzeitäquivalente, dazu Programmmittel für strategische Wirkungsevaluierungen und die Entwicklung interner Informations- und Kollaborationsplattformen sowie KI-gestützter Lösungen zur Evidenzsynthese.


Der entscheidene Punkt, der sich immer wieder zeigt: Evidenzeinheiten entfalten nur dann Wirkung, wenn sie die zentralen Steuerungsentscheidungen vor der Programmkonzeption beeinflussen können. Werden sie nur nachgelagert oder rein beratend eingesetzt, bleibt ihr Einfluss gering.

Funktionen


Neun Funktionen bieten sich für die Servicestelle an, und können durch weitere Stakeholder im Evidenzökosystem der deutschen EZ (DEval, IDOS, Stabstellen Evaluierung in GIZ und KfW, Instituts- und Hochschulnetzwerke) unterstützt werden.


1

Wirkungsorientierte Haushaltssteuerung Zuarbeit an die Leitungsebene: Vergleichende Portfolioanalyse, systematische Identifikation von „Smart Buys“ und bewährter Ansätze und rechtzeitige Inputfunktion für den Haushaltsprozess. (Vorbild USAID OCE)

2

Verbindlicher Kosten-Effektivitäts-Check


Standardschritt in der Programmkonzeption, proportional zur Projektgröße; systematischer Blick auf Evidenzlage, Vergleich mit Alternativen unddefinierten Referenzwerten. (Vorbild FCDO)

3

Konzeptarbeit & jährlicher Portfoliobericht Identifikation zusätzlicher Wirkungspotentiale im BMZ-Portfolio, Testung sektorimmanenter und -übergreifender Vergleichsmetriken und ihrer Grenzen. (Vorbilder USAID OCE, FCDO, SECO-WE)

4

Rapid-Evidence-Helpdesk Schnelle Evidenzsynthesen für Referate auf Abruf, unterstützt durch digitale Lösungen. (Vorbilder K4DD, SECO-WE)

5

Kapazitätsaufbau & Lernkultur Ressortinterner Aufbau von Evidenzkompetenz; Formate wie der Impact Evaluation Incubator und eine offene Fehlerkultur. (Vorbilder Norad, BRAC)

6

Strategische Beauftragung von Wirkungsevaluierungen Identifikation von Evidenzbedarfen und gezielte Vergabe von Wirkungsevaluierungen, koordiniert mit dem Evaluierungsreferat des BMZ. (Vorbild SIEL)

7

Vernetzung & internationaler Austausch Kontinuierlicher Austausch mit internationalen Evidenzeinheiten und Partnern zu Standards und Initiativen; Anschluss an globale Netzwerke, z.B. Smart Buys Alliance.

8

Aufbau einer Wirksamkeits-datenbank für die deutsche EZ Mitwirkung an global koordinierter Evidenz; eine öffentliche Evidenzdatenbank gestützt auf ein dichtes Netzwerk von Forschungspartnerschaften. (Vorbild IDEAL-Datenbank)

9

Strategische Kommunikation von Wirksamkeit Gemeinsam mit dem Kommunikationsreferat: Die Wirksamkeit der deutschen EZ sichtbarer machen (z.B. ähnlich der Weltbank-Scorecard), und öffentliches stärken.

Kosten-Nutzen-Schätzung bezogen auf die Servicestelle Evidenz selbst


Unter defensiver Annahme, dass durch die Servicestelle in nur 1-2% des BMZ-Gesamtportfolios von weniger wirksamen zu herausragend wirksamen Ansätzen umgeschichtet werden kann, ergibt sich ein ROI ihrer Einrichtung von 6:1 bis 12:1.


Mit diesen Funktionen ergibt sich in der deutschen Evidenzarchitektur eine synergistische Arbeitsteilung: DEval bleibt für die unabhängige, extern mandatierte Evaluierung (Rechenschaftslegung) zuständig, funktional vergleichbar mit z.B. ICAI im UK. Die Servicestelle übernimmt hingegen die interne, nachfrageorientierte Koordination von Evidenz und Wirksamkeitsanalysen: Evidenzaufbereitung und strategische Evaluierungsbeauftragung, mit zusätzlichem Fokus auf Kosteneffizienz und -effektivität in der Steuerung des BMZ-Haushalts und seiner Programmplanung.


Sie kann dabei auf bereits tragfähige Anknüpfungspunkte setzen: Die strukturbildende Übergangshilfe (BMZ/GIZ); den von rigoroser Evidenz gestützten Graduierungsansatz, den die GIZ in Somalia umsetzt; das seit 2020 aufgebaute integrierte Wirkungsmanagement der KfW; sowie die gemeinsam entwickelten 43 Standardindikatoren von BMZ-GIZ-KfW. Aufgabe der Servicestelle ist es, solche Ansätze zu bündeln, zu verstetigen und systematisch auszubauen.

Das Ausgestaltungspapier zum Download:


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