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Reform mit Wirkung: Wie das BMZ dem eigenen Anspruch gerecht werden kann

  • Kooperation Global
  • vor 6 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Dieser Beitrag wurde am 24.02.2026 ebenfalls als Standpunktbeitrag bei Table.Media veröffentlicht.


Viel steht auf dem Spiel: Die Mittel des BMZ wurden in den vergangenen fünf Jahren um fast 20 Prozent gekürzt, die globalen Herausforderungen hingegen sind dramatisch gewachsen. Damit wird die effiziente und effektive Verwendung der verbleibenden Mittel noch wichtiger. Was nachweislich wirkt, stärkt auch die demokratische Legitimität. Das sieht auch die deutsche Bevölkerung so: Das meistgenannte Motiv für Entwicklungszusammenarbeit lautet mit wenigen Mitteln viel Gutes bewirken”. Gerade deshalb sollte das BMZ aufzeigen, wo deutsche Entwicklungszusammenarbeit besonders große Wirkungen erreicht - und verstärkt in solche Programme investieren. 


Wir verstärken unsere Investition in evidenzbasierte Ansätze und steuern viel stärker nach Wirkung”, kündigte Ministerin Alabali Radovan entsprechend auf der Pressekonferenz zur Vorstellung des Reformplans im Januar an. Das Ministerium verspricht darin, wissenschaftliche Evidenz noch systematischer zu nutzen, bewährte Ansätze zu stärken und weniger wirksame Vorgehensweisen „zugunsten evidenzgestützter Alternativen schrittweise zurückzuführen“.


Besonders bemerkenswert ist die Bereitschaft, weniger wirksame Maßnahmen auslaufen zu lassen und gezielt durch wirksamere Ansätze zu ersetzen. Dieser Anspruch zeigt: Das Ministerium meint es ernst. 


Was muss nun passieren, um diesem Anspruch gerecht zu werden? Drei Punkte sind entscheidend:


Erstens: Wirkungen strategisch messen und vergleichen. Das BMZ will die Mittelvergabe zukünftig evidenzbasierter steuern. Doch echte Priorisierung nach Wirksamkeit wird erst möglich, wenn Programme nicht nur strategisch evaluiert, sondern, wo möglich, auch anhand ihres Kosten-Wirkungs-Verhältnisses verglichen werden. Diese Evidenz sollte darüber entscheiden, wo knappe Gelder eingesetzt werden. Viele Programme können isoliert betrachtet gut sein, aber nicht alle auch im Vergleich zueinander. Ihre Wirkung unterscheidet sich häufig um ein Vielfaches. 


Das bedeutet konkret: Die Wirkung von Programmen muss strategischer gemessen, systematisch verglichen - und zur primären Grundlage der Mittelvergabe des BMZ werden. Der Haushalt 2027 bietet hierfür die erste Bewährungsprobe.


Zweitens: Die nachweislich wirksamsten Maßnahmen konsequent priorisieren. Denn: In vielen Bereichen, wie Krisenprävention oder der Bekämpfung extremer Armut und Hunger, liegt bereits belastbare Evidenz vor, welche Ansätze besonders wirksam und kosteneffektiv sind. Solche Smart Buys, also Ansätze, denen wiederholt überdurchschnittlich hohe Wirksamkeit pro investiertem Euro nachgewiesen wurde, sollten zur Standardreferenz in der Planung von Programmen werden. 


Ein Beispiel: Der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria hat seit 2002 rund 70 Millionen Leben gerettet. Das ist mehr als die Einwohnerzahl Frankreichs. Gleichzeitig fließen aus den Beiträgen des BMZ bereits mehr als 20% an deutsche Gesundheitsunternehmen zurück und stärken so wiederum den deutschen Forschungsstandort. Ein weiteres Beispiel ist der Graduierungs-Ansatz: Dieser ermöglicht den Begünstigten durch gebündelte Unterstützung (von Einkommensquellen bis hin zu Coaching) einen effektiven Weg aus der extremen Armut. Er zählt zu den wirksamsten und am besten belegten Interventionen zur Armutsbekämpfung weltweit. Solche Smart Buys sollten das Herzstück der deutschen Entwicklungszusammenarbeit bilden.


Der neue Reformkurs weist hier mit dem expliziten Fokus auf bewährte Ansätze in die richtige Richtung – entscheidend ist, dass diese Logik das gesamte Portfolio durchdringt.


Drittens: Die geplante “Servicestelle Evidenz” im BMZ mit einem starken Mandat ausstatten. Maßgeblich zur Umsetzbarkeit dieses Anspruchs könnte die im Reformpapier angekündigte “Servicestelle Evidenz” beitragen. Internationale Erfahrungen zeigen: Solche Einheiten wirken nur, wenn sie die zentralen Steuerungsentscheidungen vor Programmkonzeptionen beeinflussen können. Norwegen, das Vereinigte Königreich und die USA liefern gute Beispiele dafür, wie solche Einheiten die Wirksamkeit von Mitteln in Milliardenhöhe gesteigert haben. 


Drei Kernmandate sind dazu entscheidend:

(1) Die direkte wissenschaftliche Beratung und Anbindung an die Leitungsebene für eine wirkungsorientierte Priorisierung des Budgets;

(2) ein verbindlicher Kosten-Effektivitäts-Check als Standardschritt in der Programmkonzeption;

(3) ein jährlicher Portfolio-Bericht, der die Wirksamkeit verschiedener Ansätze innerhalb eines Sektors vergleicht und klar benennt, welche Wirkungspotenziale bestehen.


Die Reformagenda des BMZ stellt die richtigen Weichen - und die Instrumente, um diesen Anspruch einzulösen, liegen bereit. Die Chance, die deutsche Entwicklungszusammenarbeit noch wirksamer zu gestalten, war selten so dringlich, aber auch selten so greifbar wie jetzt.

 
 
 

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